Qype: Tom Sack, Freischaffender Künstler in Halle


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„Wenn’s der Wahrheitsfindung dient ?“ (*)

Zufällig lande ich bei einer Recherche im Internet auf einen Gerichtstermin am 19.10. 2010 im Amtsgericht Berlin Tiergarten. Ungewöhnlich ist die Form der Veröffentlichung. Es ist eine PDF Datei mit der Kopie der Anklageschrift, die der Beklagte Tom Sack auf seiner Homepage veröffentlicht hat. Auf seiner Homepage http://www.tomsack.com/ ist das Verfahren „Der Fall Tom Sack Ein Künstler in den Mühlen der Justiz“ dokumentiert.

„Sehr geehrter Herr Sack, in der Strafsache gegen Thomas Sack Tatvorwurf: Betrug pp. werden Sie als Angeklagter zum
Hauptverhandlungstermin geladen“. Am 05. Oktober 2010 begann der Prozeß mit den Fortsetzungsterminen 19.10., 26.10., 09.11., 16.11.,
30. 11., 07.12., 14.12.2010. Im Landgericht Bückeburg geht es dann weiter am 26. Januar 2011 mit Nachfolgeterminen 31.01., 2.02., 07.02.,
09. 02., in einer Strafsache wegen gewerbsmäßigen Betrugs u.a.

„Tom Sack, Jahrgang 1982, studierte nach Abitur und Wehrdienst einige Semester Jura in Konstanz am Bodensee. Bereits neben dem Studium handelte er mit Kunst und Antiquitäten. 2004 siedelte er nach Berlin um, wo er seine Tätigkeit ausbaute und gute Umsätze verbuchen konnte. Er betätigte sich dort auch als Galerist. 2006 zog es ihn raus aufs Land. Er ließ sich mit seiner kleinen Familie in Rinteln-Schaumburg bei Hannover nieder, auch um dort die geschäftlichen Aktivitäten weiter ausbauen zu können. Durch die mit den Ermittlungen einhergehenden Umstände und den damit verbundenen Rufschaden sah er sich jedoch bald gezwungen, den Kunsthandel und die Tätigkeit als Galerist aufzugeben. Er ist deshalb heute nur noch künstlerisch tätig (und studiert wieder Jura in Halle). Tom Sack lebt in fester Partnerschaft und hat zwei Kinder.“

Ich werde neugierig und werde schnell im Internet fündig. Schon so fünf Jahre beschäftigt außerordentlich umfangreich Tom Sack die Deutsche Gerichtsbarkeit. Am 05. April 2008 gab es z.B. eine Hausdurchsuchung ohne richterliche Anordnung. Tom Sack filmte mit und stellte das Video zu Youtube.

Anschließend wurde er verklagt wegen Rechte Verletzung am „Eigenem Bild“. Thom Sack hatte die Gesichter der Beamten nicht unkenntlich
gemacht. April 2009: „Verurteilung zu 5 Tagessätzen wegen verbotener Mitteilung über Gerichtsverhandlung. Tom Sack stellte einen großen Teil der gerichtsrelevanten an ihm gerichteten Schriftstücke als Kopie ins Internet.“

Ein Höhepunkt seiner künstlerischen Guerillia-Aktivitäten ist, einen Staatsanwalt in Mischtechnik zu portraitieren und das Bild zum Verkauf ins Internet zu stellen. Der Staatsanwalt reagiert geharnischt mit Hausdurchsuchung und lässt das Bild beschlagnahmen. Die Klage ging aus wie das Hornbacher Schießen. Der Staatsanwalt muß das beschlagnahmte Bild wieder heraus rücken lassen. Inzwischen gibt es Staatsanwalt „L“ als Grafiken von Tom Sack mit blauer, grüner, roter Brille in einer limitierten Auflage.

Tom Sack formuliert selbst in einer Presseerklärung: „Darf man einen Staatsanwalt auf Leinwand malen und das Gemälde zum Kauf anbieten? Darf man seine eigene Hausdurchsuchung mitfilmen und den Film ins Internet stellen? Darf man Unterlagen aus seinem eigenen Strafverfahren veröffentlichen? – Eine nicht alltägliche Strafsache beschäftigt zur Zeit das Oberlandesgericht Celle. Angeklagt ist Tom Sack, 28 Jahre alt, Künstler und Jurastudent, aber auch ehemaliger Kunst- und Antiquitätenhändler. Er hat sich auf seine Art gegen fragwürdige Ermittlungen gewehrt. Der Vorwurf: „Kunstfälscherei im Großen Stil“. Sack soll über mehrere Jahre hinweg mit beachtlicher krimineller Energie Werke berühmter Maler, wie Max Liebermann oder Ernst Ludwig Kirchner, in seinem Atelier selbst gemalt und anschließend in seiner Eigenschaft als Kunsthändler für bis zu fünfstellige Beträge auf dem Kunstmarkt abgesetzt haben.“ (http://www.presseanzeiger.de/pressemappe/144924-tom-sack-freischaffender-kunstler.php)

Den Fall nur im Internet zu eroieren befriedigt mich nicht und so mache ich mich wieder aus purer Neugier und mit der Absicht von Tom Sack
live ein paar Fotos zu schießen am 19.10.2010 auf ins alterwürdige Amtsgericht Tiergarten in der Turmstraße. Es ist ein ungemütlicher
Herbstmorgen mit Nieselregen. Am Eingangsportal des ehemaligen Kriminalgerichtes prangt eine rotumrandete ungeschickt designte Verbotstafel“ „Das Betreten des Gebäudes mit Waffen u. sonstigen gefährlichen Gegenständen sowie mit Film- und Fotoapparaten ist verboten…“ Ich bekomme einen Schreck – ich habe drei Fotoapparate dabei, von denen sogar zwei 3D Video fähig sind. An einer Sicherheitsschleuse packe ich mit zittrigen Händen meine umfangreiche Fototechnik aus und werde problemlos eingelassen, nachdem ich mein Presseausweis zücken musste, sowie ein Formular 530 E – A20 AG ausfüllen sollte, wo ich informiert wurde, dass ich ungefragt lediglich die allegorischen Figuren und die Haupthalle fotografieren darf. Ich sollte das mit meiner Unterschrift bestätigen. Der Knaller war dann aber, das der Beamte der Einlasskontrolle mir den Kugelschreiber wieder weg nahm und selber unterschrieb. Insofern war das ganze schöne Formular für die Katz.

Ich darf aber trotzdem ohne Erlaubnis vom Richter nicht im berühmten Gerichtssaal 101 fotografieren. Berühmt wurde der Saal durch eine Zeichnung von Heinrich Zille: Moabit. „-und dann haben sie den Zeugen mit einem Instrument geschlagen!“ „I wo Herr Richter ick habe noch nie een Klavier besessen:“ Heute sieht der Saal noch genau so auf wie auf Zilles Zeichnung. Der Saal steht unter Denkmalschutz. „Von 1500 Menschen die hier arbeiten sind 270 Richter 80 Rechtspfleger 350 Staatsanwälte Jedes Jahr werden ca. 1300 Personen aus 80 Nationen angeklagt und in Untersuchungshaft verwahrt, dazu kommen jährlich 60.000 Strafverfahren wo die angeklagten nicht in Untersuchungshaft genommen werden.“ Einer davon ist 2010 der Künstler Tom Sack!

(cc Wikipedia Heinrich Zille Moabit 1911)

Ich denke nicht im Traum daran im Gerichssaal zu fotografieren, wo inzwischen am Richtertisch achtMenschen inkl. Staatsanwalt sitzen. Insofern ist die Grafik von Zille viel aussagekräftiger, schöner und dokumentiert ebenso das Geschehen, was nach kurzer Ansprache des Richters um 09.25 Uhr begann. Zwei Gerichtsbedienstete sind aufgeboten die Türen auf und zu zu schließen und auf Randale und sonstige Unregelmäßigkeiten zu achten.

Die Akkustik ist schwierig im Raum. In der hohen Halle 101 mit Jugensstilschmuck an der Stuckdecke verschwinden die Worte des Richters, der Anwälte, der Gutachter und des Angeklagten und der Zeugen im Raum wie Engelraunen oder leises Vogelgezwitscher. „Gerichtsreporter könnte ich hier nicht sein“ denke ich. Beide sitzen vor mir und langweiligen sich schrecklich, unterbrochen von einigen Schlückchen aus der Thermosflasche.

Ich bin am Anfang der einzigste Besucher und Pressevertreter auf den kalten Besucherbänken. Keine Sau interessiert sich wohl für diesen Prozeß. Dann kommt noch ein weiterer Anwalt dazu und ein Zuschauer für eine halbe Stunde. Mich interessiert das schon! In einer e-Mail an den
Angeklagten formulierte ich den Grund so:

„..bin durch Zufall beim Recherechieren von „Eventerminen“ auf ihren Fall gestoßen und hab mich halbtot gelacht.Warum? Das erklären wahrscheinlich diese beiden älteren Texte von mir zum Thema:http://www.rhebs.de/storys/galerie.htm, http://www.rhebs.de/storys/heckel.htm
Also, damals als ich mal sowas veranstaltet habe, war ich so alt wie sie jetzt. Insofern kann ich den ganzen Quatsch, den
die Deutsche Justitz jetzt organisiert, ein bissel nachvollziehen. Mich hat man auch in der Mangel gehabt in der damaligen DDR.
Hatte damals z.B. bei Bekannten in Murr Diamantsägeblätter bestellt, um Badfliesen zu trennen. Da ich damals als Schmuckdesigner
tätig war, verdächtigte man mich mit der „Diamanttrennscheibe“ Diamanten zu trennen, um damit einen schwunghaften Diamanthandel am
Fiskus vorbei zu betreiben. Schreibe aber hier wegen was anderen. Ich jobbe als Pressefotograf und habe Interesse von Ihnen eine Fotoserie zu produzieren und diese Fotos einer meiner Presseagenturen zur Verfügung zu stellen.“

Insofern kann ich nun aber kaum über diesen Prozesstag einen vernünftigen Bericht abliefern. Erstens hab ich keine Ahnung von
Gerichtsreportagen und zweitens interessieren mich eigentlich nur die Fotos, die ich dann draussen vor dem Portal organisiere.
Meine Überschrift „Wenn’s der Wahrheitsfindung dient.“ bezieht sich auf den Ausspruch von Fritz Teufel in einem anderen Zusammenhang.
Inwieweit sind die Kosten, die dieses Verfahren in unserer Gesellschaft verursachen eigentlich vertretbar?

Aus München hat man als Gutachterin für Deutschen Expressionismus über Ernst Ludwig Kirchner Kunstwerke eine Spezialistin geladen. Es ist die Geschäftsführerin eines großen renommierten Münchner Versteigerungshauses, mit zwanzig ständig angestellten Kunstwissenschaftlern. Wenn man den Obergutachter des Ernst Ludwig Kirchner Archivs in der Schweiz als den „Lieben Gott“ bezeichnen würde, dann wäre die Gutachterin aus München immerhin der Past gewesen. Ihr Urteil über die von Tom Sack vertriebenen oder nicht vertriebenen „Kunstwerke“ war schwach verständlich wegen der Akkustik. „Grottenschlecht, wertlos, schwer unstimmig, zeichnerische Mißinterpretationen“, Kirchner hätte subtilere Darstellungen eines Frauenaktes angefertigt. „Papier sieht aus wie Maschinenbütten, Papier wäre gealtert“ Ob künstlich gealtert wüßte sie nicht. Die Nachlaßstempel auf der Rückseite der Ein Euro „Kirchner Werke“ wären eine Fälschung. Näheres wüsste der Liebe Gott in der Schweiz.

Ich überschlage den Tagessatz der international anerkannten Gutachterin, die „Ein Euro Versteigerungen“ bei E-BaY begutachten soll und komme locker auf fünf bis zehn tausend Euro, alleine schon wegen einem Businessclass Flug München Berlin hin und zurück. Sowas fliegt
nicht Touristenklasse! Tom Sack äußert, er hätte die Dinger nicht gemacht. Nebenbei kommt heraus, Gutachten machen die staatlichen
Museen z.B. das Brückemuseum in Berlin auch umsonst, so selbst die Gutachterin. Gut, ein Gerichtsgutachten kostet Geld. Nur vom Brücke
Museum, Bussardsteig 9 in 14195 Berlin-Dahlem in das Amtsgericht Tiergarten bräuchte man eben keinen Flieger und könnte auf Amtshilfe
machen!

Dann steht der Richter auf und geht zum Angeklagten, der sein Handy vor sich auf den Tisch liegen hat. Dies wird vom Richter bemängelt.
Der Tom erklärt, es wäre ausgeschaltet und zu unbequem in der Hosentasche. Eine halbe Stunde später fuchtelt Sacks Anwalt Roman von Alvensleben mit dem Handy vor allen Beteiligten herum und zeigt mit einem App den Gerichtssaal, gezeichnet von Heinrich Zille: „Moabit“.

Ich denke es gibt halt zweierlei Messer. Scharfe gegen den Angeklagten und stumpfe gegenüber allen anderen. Der Angeklagte wird ab und
zu ermahnt nicht ungefragt dazwischen zu quatschen. Alle anderen Beteiligten haben nicht diese Restriktion. Tom Sack scheint hier momentan keine guten Karten zu haben.

So ist es nicht im Internet. In den Diskusionsforen im Netz liegt der Diskussionslevel auf auf beipflichten und Ablehneung ca. 50/50. Das geht
von Begeisterung gegenüber Tom Sack, der sich mit ungewöhnlichen Aktionen gegen Justizia wehrt und absoluter Häme und Ablehnung, das
man einen „E-Bay Ganoven“ endlich mal geschnappt hat. Zwischen Vorverurteilung und Hochlobelei ist alles dabei.

Dann wird ein Zeuge geladen, ein Juwelier aus Großenhain, der schon 2005 eine Kohlezeichnung von Sack für 278 Eurogekauft hat. Er hat
die Zeichnung Sack ratz butz wieder zurück geschickt und den Kaufpreis problemlos zurück erstattet bekommen. Ist ein Schaden entstanden? Antwort Zeuge Nein! Lediglich ein Gutachten in der Schweiz per Fax kostete 100 Euro. Die nehme er aber auf seine Kappe.

Ansonsten hat er, der selber tausende Artikel über das Internet verkauft die Ereignisse vor fünf Jahren nur noch schwach in Erinnerung.
Irgendwann wird es mir langweilig diese Tiraden um ein Euro Objekte, die Tom Sack wie Millionen andere auch im Internet vertickerte und
wohl alle Register des Guerillia Marketing gezogen hat. Gestern hab ich eine Schachtel Nudeln gekauft. Es waren nur noch die Hälfte der
Nudeln drin wie vor einem halben Jahr. Die Packung war appetitlicher und bunter geworden. Fazit, diese Nudeln kauf ich nicht mehr. Müsste
eigentlich mit den Nudeln aufs Amtsgericht und die Firma verklagen. Habe folgendes gemacht. Ich brachte die Nudeln wider zurück.

Neugierig werde ich weiterhin auf den Fall sein. Tom Sack soll Künstlerpseudonyme erfunden haben, um den Anschein von höherer
Bekanntheit für Kunstvertrieb zu konstruieren. Sich hat er wohl nun aus diesen Erfahrungen schlußendlich selber als Marke erfunden. Hinter
seiner Unterschrift im Internet prangt das (R) für regristriertes Markenzeichen. Ich habe mal nachrecherchiert. Am 29.05.2010 hat er beim Patentamt eine Wortmarke „Tom Sack“ in den Klassen 14,16, 19 angemeldet. http://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/307348393/DE
Danach gibt es noch Vertiefungen und Untermauerungen für weitere Warenzeichenklassen. Tom Sack ist Markenzeichen Profi geworden.
Mal sehen, wann das Gericht aber diese Warenzeichenanmeldung als werbliche Heimtücke gerichtsrelevant deklariert. Wundern würde mich
das nicht.

Egal, wie das alles ausgeht mit diesem Mammutprozess. Mit jedem Tag, mit jeder Berichterstattung, mit jedem gerichtsrelevantem Dokument wird die Marke „Tom Sack“ immer schwerer, fundamentaler, wichtiger bedeutsamer. Dann kann er damit wie Bruno Banani, den es real auch nicht gibt, locker künstlerisch gestaltete Unterhosen verkaufen oder zweifarbige linke und rechte Socken. Säcke und Kunst sowieso. Zum Beispiel Holzkohlensäcke. Einen Unterschied zu Banani gibt es aber, Tom, der Thomas, heißt wirklich Sack!

(*) „Am 2. Juni 1967 wurde Fritz Teufel unter dem Vorwurf, einen Stein geworfen zu haben, während der Demonstration gegen den Schah
Reza Pahlavi verhaftet und saß bis zum Verhandlungsbeginn im November in Untersuchungshaft. Während der Verhandlungen fiel Fritz
Teufel vor allem durch – aus Sicht der Staatsanwaltschaft – respektloses Verhalten auf. Als er eine längere Stellungnahme abgeben wollte,
wurde er vom Richter ermahnt, er möge nur Tatsachen vorbringen, die der Wahrheitsfindung dienen. Etwas später kam er dann der
Aufforderung des Richters, sich zu erheben, nach mit der Bemerkung: „Wenn’s der Wahrheitsfindung dient.“ Dieser Satz wurde zu einem
geflügelten Wort. – Am 22. Dezember 1967 wurde Teufel freigesprochen.“ Quelle Wikipedia

weitere Infos:
http://www.presseecho.de/wirtschaft/PE12820793219869.htm

© Richard Hebstreit 2010

Mein Beitrag zu Tom Sack, Freischaffender Künstler – Ich bin rhebs – auf Qype

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