Qype: Kunstschmiede Soika in Stücken


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Winter, Berlin, Potsdamer Platz, Weihnachtsmarkt historische Ampel: Ich verdrücke eine Rostbratwurst mit Glühwein. Aus Richtung Alte Potsdamer Straße tönt es „Pling, Pling, Pling“, wie man es früher aus Dorfschmieden gehört hat, wenn der Dorfschmied Pferde beschlagen hat. Die Pling, Pling – Töne kommen aus der Gegend von Hausnummer Sieben wo Dr. Hirsch seine Frauenarxtpraxis hat und für kosmetische Schamlippen – Korrekturen berühmt ist. Es ist nicht Dr. Hirsch, der den Schmiedehammer schwingt, es ist der Kunstschmiedemeister Michael Soika.

Michael Soika hat dort neben seiner Bude eine Feldesse aufgebaut und verkauft auf dem Weihnachtsmarkt skurile schmiedeeiserne Sachen. Schmiedeeiserne Engel, mit denen man Bierflaschen öffnen kann. Ein Kunde findet einen Öffner fein, der fast wie ein Widderkopf aussieht und für einen Freund mit dem Sternzeichen Widder als Weihnachtsgeschenk geeignet wäre. Die Hörner würden sich aber nicht so richtig kringeln, wie bei einem Widderkopf, sie sähen eher aus wie die Hörner des Engels

Luzifer, der nach Jesaja (Jes 14,12) vom Himmel gefallen ist. Also die Hörner sehen aus wie die Hörner vom Teufel! „Kein Problem“ meint Michael Soika zum Kunden. Er solle in einer halben Stunde wieder kommen, er hat ja die Schmiedeesse hinter der Verkaufsbude und könne die Hörner zurecht biegen. Neben Michael steht seine Frau, die Töpfermeisterin Andrea Soika und hat gerade einen halbfertigen Topf runter fallen lassen. Ich komme mit beiden ins Gespräch, weil ich die Arbeiten von beiden interessant finde.

Zum einen die teils realistisch, teils syrealistischen kleinen handlichen eisernen und tönernen Skulpturen von Michael Soika, zum anderen die auf wenig Grundformen reduzierten Töpferwaren von Andrea Soika ohne den üblichen kitschigen Töpferschnickschnack. Die Glasuren, die Überfänge der Töpfermeisterin sind farblich zurückhaltend und erdig. Die Scherben sind dünne wie bei der seligen Hedwig Bollhagen, und so hat Andrea Soika den Mut Weinkelche aus Ton, wie dünnwandige Glaskelche zu drehen.

Das Weihnachtsmarktpublikum schlendert vorbei und selten sieht jemand in den Stand diese Schätze, die sich preislich gegen Industrieserienware bewegen. Von Warenpräsentation haben beide Null Ahnung und ich erzähle ihnen ein bissel, wie man das so macht. „Schwerpunkte setzen, Licht cleverer einsetzen, die Überfülle der Waren reduzieren, das Besondere, das ANDERE heraus heben. Nebenan ist ein Töpferstand, da kann man das beispielhaft sehen, wie es gemacht wird“.

Ich bin dann heim und habe in meinem alten Materialbeständen herum gewühlt, wo ich noch Damaszener Stahlreste habe, Emaillie Farben und Murano Glas. Ich wollt es eigentlich weg schmeißen. Nun hab ich eine bessere Verwendung dafür und habe es beiden mit einigen Tipps gegeben, was man damit machen kann. Beim Schwatzen meiner „klugen Ratschlüsse“ fasse ich eine Skulptur von Michael Soika an, die sich ganz anders anfühlt, wie ich Eisen bisher taktil erfahren habe. Trotz der Kälte fasst sich das Eisen warm an. Michael Soika demonstriert mir den Trick. Er macht es anders als fast alle heutigen Schmiede, die zum Schwärzen Natronlauge mit Kaliumnitrat oder eine Ölpampe nehmen. Michael Soika bestreicht die noch fast glühenden Schmiedeteile mit einem Wachsklumpen. Das Wachs diffundiert dann in die Oxidschicht, dem Zunder und erzielt damit gleichzeitig zwei wichtige Ergebnisse. Nach dem Abkühlen kann man es in die Hand nehmen, ohne schwarze Finger zu bekommen. Die Teile werden dadurch rabiat rostbeständig. Der Trick ist uralt. Selbst vor dem Mittelalter hatten die Dorfschmiede kaum Natronlauge zum Brünnieren, Bienenwachs hatten die immer!

Was gibt es noch zu erwähnen? Samstag ist oft bei Soikas Kindertöpfern angesagt. Frau Soika gibt Töpferkurse für Kinder und Erwachsene. Beim Meister Michael Soika kann man in Stücken, in der urigen Werkstatt einen Schmiedekurs belegen, um sich z.B. einen unkaputtbaren Kerzenleuchter selbst zu schmieden, den man vererben kann. Warum? Der sieht in hundert Jahren genau so aus wie heute….wegen dem Wachs!

Hier kann man Michael Soika in 3D bewundern:
http://www.start3d.com/en/4740122338/0003/8950304068177259

Mein Beitrag zu Kunstschmiede Soika – Ich bin rhebs – auf Qype

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