Qype: Wetzel Oblaten- und Waffelfabrik GmbH in Dillingen


Dillingen

Karlsbader Oblaten – Ein Hauch Glückseligkeit

Es gibt da so Geschichten, wo man ein wenig um die Ecke herum erzählen muss, ehe man auf den Punkt kommt. Meine Olatengeschichte ist so eine.

Es war Anfang der sechziger Jahre In Thüringen, DDR. Wir waren abgeschnitten vom kulturellen, gastronomischen und handwerklichen Geschehen in Westeuropa. Meine Mutter erzählte von Dingen und Zuständen, die sie kannte und die es nicht oder kaum mehr gab. Irgendwann waren wir mal in Eisenach, wo sie sagte, wir gehen heute mal nach Paris und nach Marienbad konditern! Vom Frauenplan aus liefen wir die Marienstraße hoch, wo es einen Bäckerladen und einen Konditor gab. Bei dem Bäcker war nach dem Krieg ein Franzose hängen geblieben, der in eine Eisenacher Bäckersfamilie eingeheiratet hatte. Da gab es Croissants. Duftig, locker, lecker. Mutter ließ sich eine ganze Tüte voll einpacken. Auf der Straße mampften wir beide je ein Croissant. „So was gibt es jeden Tag in Frankreich zum Frühstück!“ Dann behauptete sie steif und fest die Croissants wären nach den Türkenbesetzungen in Budapest erfunden worden und nicht in Paris.

Nun gut, sie war in Budapest geboren, da entwickelt man halt so eine Art Nationalstolz. Ein paar Meter weiter gab es einen Konditor, der hatte auch was Seltsames, wozu meine Mutter Kaffee bestellte. Riesige Windbeutel und zart knusprige „Eisenacher Oblaten“. Mutter erzählte, die „Eisenacher Oblaten“ wären nie und nimmer aus Eisenach, während ich mir eine nach der anderen zusammen mit dem Windbeutel in meinem Mund stopfte. Diese runden riesigen, knusprig, zarten Dinger wären aus Marienbad und heißen eigentlich „Karlsbader Oblaten“. Vertriebene aus dem Bäderdreieck in der „Tschechoslowakei“ hätten das Rezept nach Eisenach gebracht. Aus irgendwelchen Gründen durften sie den Begriff „Karlsbader Oblaten“ nicht verwenden, den Karlsbad hieß nun Karlovy Vary und Marienbad nannte man nur noch Marianske Lazne. Mir war es egal wie diese Oblaten hießen. Sie waren lecker! Immer wenn ich dann in Eisenach war, holte ich eine Tüte Croissants, und schlug mir den Bauch mit Windbeuteln und Oblaten voll. Mit meiner ersten Liebe ging ich, ehe es ins Kino ging, zu den Windbeuteln und zu den Oblaten. Danach gab es den Film: „Der Weg nach oben“ mit Simone Signoret und „Ein Hauch Glückseligkeit“ von John Schlesinger. Die Oblaten waren für mich in dem Zusammenhang Freundin und extra feines Backwerk „Ein Hauch Glückseligkeit“. Dann war die Freundin weg und beide Handwerksbetriebe. Man erzählte sich, sie wären weg in den Westen. Eine Duplizität der Erinnerung war weiterhin „Der Weg nach oben“ und die Marienstraße, deren Seitengassen, Treppen nach oben auf einen Berg hatten, wo Mutter meinte, so sieht es in Paris unterhalb des Sacre Coer aus.

Danach war für mich die DDR auf dem Weg nach unten. Nicht nur feines Backwerk verschwand aus den Ladentheken der Bäcker und Konditoren. Der sahnige Thüringer Schmandkuchen mutierte zu Milchpulver-Puddingpampen- Kuchen mit Margarine und der Abwesenheit von Eiern. Gute Filme aus England wurden ersetzt durch die Ohlsenbande.

Anfang Februar 1990 bin ich zufälligerweise in Eisenach. Im Schaufenster einer Konditorei lagen stapelweise Wetzels „Karlsbader Oblaten“. Daneben gab es Croissants bis zum Abwinken. In Paris war ich inzwischen auch und habe mich überzeugt, dass es unterhalb des Sacre Ceur so aus sieht wie in in Eisenach in der Marienstraße. Die Croissants, die ich heute oft in Berlin erwische sind Karrikaturen. Die „Karlsbader Obladen“ von Wetzel aus Dillingen sind immer noch ein Hauch Glückseligkeit!

Mein Beitrag zu Wetzel Oblaten- und Waffelfabrik GmbH – Ich bin rhebs – auf Qype

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