Qype: Marjellchen in Berlin


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Zwischen Pillkaller und Nikolaschka

Ich hab keine OstPreußische Mutter oder Großmutter. Die Küche dieser ehemaligen Deutschen Gegend ist mir total fremd. Mein Schatz und ihre Verwandten schleppten mich gestern in „Marjellchen“, weil sie Ahnen hatten, die ihnen Speisen in´s Gedächtnis pflanzten, die unvergessen waren!

Im 13. Jahrhundert besetzte „OT“ Ordo Teutonicus, ein Deutschritterorden im Zuge der Christianisierung unter Zuhilfenahme des Schwerte die Gegend der 13 baltischen „Prußen“ Stämme. Die „slawische“ Sprache verschwand irgendwann durch die Germanisierung. Wie sich die slawischen Stämme mit den germanischen Stämmen dann durchmischten, durchmischte sich die Ostpreußische „Küche“. Die ist zum Teil ganz anders als im Deutschen „Kernland“.

Als Vorspeise, seit im 19. Jh. mehrgängige Menues Mode wurden, gab es früher in Thüringen oft dünne Suppen. In Ostpreußen war diese „dünne Suppe“ hochprozentiger Korn mit einer Scheibe grober Leberwurst mit Senf (Pillkaller).

Nach 1945 schmissen die polnischen Kommunisten und „Sowjetmenschen“ im Ergebnis der Konferenz von Jalta (Stalin,Churchill…) alle Teutonen wieder raus. Viele landeten in Berlin und wurden Berliner. Deren Kinder kochen heute noch manchmal „Ostpreußisch“. Die Römerin Ramona Azzaro hatte auch so eine ostpreußísche Großmutter und verschiedene Rezepte von ihr geerbt. Im „Marjellchen“, was kleines Mädchen bedeutet, hat sie die Berliner Küche mit der Ostpreußischen Küche professionell vermischt.

Ich futterte einen oberaus leckeren Masurischen Sauerbraten mit grünen Klößen und deftigem Schmorkohl, wo das Rindfleisch auf der Zunge zerfiel. Der Braten ist sauerer, deftiger als der Sauerbraten, den ich aus meiner Heimat Thüringen kenne.

Die Kombination mit Schmorkohl kannte ich nicht. Das milderte das „Saure“. Meine Bekannten schmatzten Schmandschinken (ostpreußische Verführung), das sind Scheiben von mild geräuchertem Landschinken in üppiger Schmandsauce überbacken mit frischen Pellkartoffeln und Gurkensalat.

Das Marjellchen ist im hinteren Teil ein wenig eng und es empfiehlt sich die
Tischbestellung für den vorderen Gastraum. Viele der Gäste sind neben den
allgemeinen Touristen „Insider“ Ostpeußischer Küche. Am Nebentisch „überfraß“ sich eine Insiderfamilie mit Riesenportionen von „Schlesisches Himmelreich“ und „Kümmelfleisch“. Zum „Dessert“ schütteten die sich Unmengen von Nikolaschka, das ist Weinbrand mit Zitronenscheibe und Zucker, mit einer Prise Kaffee bestäubt in den Hals.

Ostpreußischer Witz:

Mein Beitrag zu Marjellchen – Ich bin rhebs – auf Qype

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