Qype: Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea in Berlin


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DIE KLAMMERN

Eines muss man Nordkorea in Berlin lassen. Man hängt geheimnisvolle hölzerne Klammern an Schnüre an die Nordseite der Botschaft gleich neben die Überwachungskameras. Lange habe ich überlegt, was die Klammern für eine Funktion haben könnten. Unterhosen zum Trocknen aufhängen geht nicht, weil die Fenster zu weit weg sind um das gefahrlos zu organisieren ohne aus dem Fenster zu fallen. 

Ich kann es mir nur so erklären:

So um 1975 war es, wo ich angefangen habe, das Absaufen der real existierenden „Sozialistischen Gesellschaft“ auf Deutschen Boden wahr zu nehmen. Es war in Leipzig, in der Deutschen Bücherei, wo mir Fachbücher in die Hände von der Firma Kugelfischer aus Schweinfurt gefallen sind. Gut, ein wenig war es auch die Leipziger Messe, mit Toyo und Seiko und Japanwerweiswo Firmen. Es war noch unbewußt. Ausrechnen konnt ich den Zerfall schon bei meiner Ingenieurabschlussarbeit an Hand der Kugellagerlebensdauerberechnungen. Ein Kuglellager aus Leipzig lebte halt nur viertel so lange wie das Lager aus Schweinfurt. Der bessere Stahl aus dem Westen war Schuld an dieser Misere, die ich aber in der Ingenieurarbeit schriftlich tunlichst verheimlicht habe. Mündlich erzählte ich jedem aus Fachkreisen, der das hören wollte, das Gegenteil.
Ein paar Jahre später in der Mitte der Achtziger sackte das Wissen der Fachkreise auch in die Gehirnwindungen der Nomenklatura, der Kader und Insider in Form der Machthaber, die sich inzwischen nicht nur allabendlich am Westfernsehen orientierten, sondern auch an den realen Gegebenheiten der Exquisitläden und der Genex Läden. 
Die ganze Blase der „Genossen“ weichte auf. Man wollte die gefüllte KABA-Dose auf den Schrank, Westauto, Westbohrmaschine, Westklamotten, Westmusik, Westfernsehen, Westtralalla. 
Ein ehemaliger Artillerieoffizier, der aus gesundheitlichen Gründen aus der NVA, der Nationalen Volksarmee entlassen wurde, öffnete mir die Augen. Die Offiziere, so sagte er, haben von den ganzen Sozialismusgeschwafel sowas von die Schnauze voll, allein schon, weil aus organisatorischen Einzelhandelsgründen sie zum Wochennende kein Schnitzel bekommen, weil der letzte Bauarbeiterdödel, dessen Frau um 14,00 Uhr die letzten Schnitzel weg kauft und die Frau des Offiziers, die in der Stadtverwaltung bis 16.00 Uhr arbeitet, nicht mal mehr Knochen für eine Rindersuppe erhält. 
So einfach geht Machtverteilung, Enflußverteilung. Schnitzel, Suppe, Knochen. Wer ist wann was wo wert? Das war so 1985 und wurde bis 1989 immer schlimmer in Struktur und Variantenart. Um 1987 krachte manchmal die Backwarenversorgung zusammen. Dann waren es Klamotten. 1988 schloß in meiner Heimatstadt das einzigste Fischgeschäft während die Lokalpresse die „Fischversorgung“ der Bevölkerung auf 125 % Produktionserfüllung hoch schraubte. In meiner Heimatstadt  gab es das einzigste Emmenthaler Käsewerk der DDR. An der Käsetheke  der HO und des Konsum gab es manchmal fünf Käsesorten, die Hauptsorte war Kochkäs. Emmanthaler kam da kaum vor.
Dazu nahm die Menge der Reisekader, also, der Menschen, die in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet aus beruflichen Gründen reisen sollten und durften massenhaft zu. Ich hatte damit zu tun als Gutachter im Warenzeichenverband Expertic. „Expertic ® war der Markenname eines Warenzeichenverbandes in der DDR, der zum Ziele hatte, die zahlreichen Produkte der Kunsthandwerkbetriebe bekannt zu machen und die Rechte der Produzenten zu wahren.“ Ich staunte jeden Monat neu, welcher „Genosse“ aus den windigsten Gründen in den Westen reisen durfte und sollte. Zurück kamen die „Genossen“ mal mit weniger und mal mit mehr gefüllten Taschen, da man den Ausstattungsgrad mit Devisen, also mit D-Mark normalerweise schmal hielt. Trotzdem, die Taschen der Rückkehrer waren unnormal voll. Sehr voll!
Das gleiche Ritual kann ich mir bei den „Genossen“ des Außenhandels in Nordkorea vorstellen.  In der DDR waren es Anfans nur die Kombinatsdirektoren und die Fachleute des Außenahndels. Irgendwann, so ab Anfang der Achtziger Jahre waren es subalterne „Außenhandelsfachleute“. Irgendwann war es fast jeder Trottel der Parteinomenklatura, der irgendwas zu den zu handelnden NSW Produkten zu melden hatte. NSW = Nicht sozialistisches Wirtschaftsgebiet. Viele „Genossen“ fühlten sich ab da dann zuständig und reisten weltweit herum und schöpften Wohlstand für ihre persönlichen Pfründe.
Ähnliches passiert derzeit wohl in Nordkorea. Man braucht sich nur irgendwo in der Welt ein Checkin in Richtung Nordkorea an zu sehen. Die Bänder sind zentnerweise voll mit Produkten, die es in Nordkorea nicht oder kaum gibt. Vom Flachbild-TV über Rasenmäher, Schnellkochtöpfe, Lampen, Angelruten, Elektro-Werkzeug, Mischmaschinen, Fahrräder, Mopeds, Nähnadeln, Fleischwölfe, Handmühlen, Nägel und Luftpumpen, Wäscheklammern. Der ganze Laden weicht dort auf, weil man ja den Zugriff auf den weltweiten Wohlstand auch Kindern und Kindeskindern der Nomenklatura ermöglichen will.

Ein Berliner Galerist erzählte mir vor kurzem, dass eine „Delegation“ Nordkoreanischer „Kulturfachleute“ in seiner Galerie mit Formularen auftauchten, die er unterschreiben sollte, da man bei ihm zu „kulturellen Studienzwecken“ besuchsweise weilte. Er unterschrieb natürlich nichts, auch weil er die Formulare nicht lesen konnte.

Irgendwann reicht es nicht mehr für die Kindeskinder der Nomenklatura und der Neid der Nicht- oder der Randbeteiligten bricht auf, wie bei uns damals in der „Autonomen Gebirgsrepublik Suhl“, wo man in die Kirche  Anfang Oktober 1989 in Suhl ging, um zu postulieren, das man den Wohlstand wie in Oberfranken samt den Westwäscheklammern nun endlich auch haben möchte!

Mein Beitrag zu Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea – Ich bin rhebs – auf Qype

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