Qype: SHIBARIBar in Berlin


BerlinNachtlebenPrivatbar

Fester!
Der Schriftzug im Kellerfenster fiel mir auf. „SHIBARI“ mit dem roten drei Buchstaben „BAR“. „Kellerbar“ denke ich und runter die Stufen in den „SOUTERRAIN“. Es hat eine Weile gedauert, bis bei mir der Groschen gefallen ist, wo ich da zufällig gelandet bin. „Shibari – Die japanische Kunst des erotischen Fesselns“ wird in dieser Bar als große Spezialität betrieben. 

Shibari
cc Reimund (Wikipedia)

Ein klein wenig bekomme ich es auch von den Leuten dort erklärt. „Japanische Bondage“ wäre es quasi und im Internet bei WIKIPEDIA ware einiges dazu auch nach zu lesen. Ich werde schnell fündig und entdecke bei wikibooks ein kostenloses Buch, wo erklärt wird, dass sich diese erotische Kunst aus der traditionellen militärischen Fesselkunst Hojojutso entwickelt hat.

Hojojutsu
cc snowgrill (Wikipedia)

Einen Verein gibt es in der ShibariBar, „Osada Kinbaku Dojo e.V.“ Die haben dort folgendes Motto:
„Osada steht für Osada Ekichi (1925 -2001), einem der größten Nawashi (Seilkünstler) des letzten Jahrtausends und für Osada Steve, dem Begründer der Osada Ryu – der Lehre mit System und einem der besten Nawashi der Gegenwart. Seine Lehre verbindet das Theatralische von Osada Ekichi  mit der Präzision und Strenge von Akechi Denki und der Ästhetik und Erotik von Yukimura Haruko.“
Gut, da verstehe auch ich erst mal nur „Bahnhof“. Das hatte ich schon mal in meiner Jugend, wo ich als oft verprügelter schwächlicher Jugendlicher einmal in einer Judo Sportgruppe gelandet war und mich dann zeitlebens niemand mehr verprügeln konnte, den ich konnte den Tomoe-nage (Kreiswurf/ Überkopfwurf) auch bekannt unter dem Namen Chinesischer Fahrstuhl. 
Den Chinesischer Fahrstuhl braucht man hier nicht, denn um schnell auf dem Boden zu landen gibt es den Panikhaken.
Panikhaken
cc wikipedia

Abschließend überlege ich, welche Affinitäten ich zur Fesselkunst habe. Fast keine denke ich und denke an eine Bank in meiner Heimatstadt am Rathaus. Da gibt es heute noch die „Prangerbank“ weil die Bürger dort die Praxis besonders im Mittelalter hatten, Leute aus bestimmten Gründen mit einem Bein an die Bank zu fesseln. 
Prangerbank
Prangerbank Bad Salzungen/Th
Und noch etwas anderes gab es dort, wozu ich mal eine Kurzgeschichte für ein Thüringer Dekameron geschrieben hatte:
Loberstedts Frauen

Loberstedt hatte was Tolles zu Hause. Das Tolle zu Hause bei Loberstedt war seine Frau. Frau Loberstedt. „Mein Gott, war die schön, meine Fresse, sah die scharf aus“, dachte ich, als ich 14 Jahre alt war und einen Rasierapparat nur von der Ansicht des väterlichen Gerätes her kannte. Mein Freund Haase hatte mir gerade beigebracht, was man mit seinem Ding in der Hose anfangen konnte, um bisher ungeahnte Gefühle zu erzeugen. Irgendwelche  Wichsvorlagen, wie Bilder nackter Frauen oder Aktfotografien gab es kaum in der finstersten DDR-Zeit, der fünfziger Jahre und so dachte ich bei derartigen Verrichtungen an Frau Loberstedt und stellte mir vor, was ich mit Frau Loberstedt mache, wenn ich mal groß bin. „So eine Frau wie Frau Loberstedt möchte ich auch mal haben“, sinnierte ich, wenn ich mich mit mir beschäftigte und besonders dachte ich daran, wenn mir Frau Loberstedt über den Weg lief. Da Frau Loberstedt zwei Querstraßen weiter in der kleinen Stadt wohnte, sah ich sie oft. Wenn ich von der Schule kam oder in der Gegend herum streunte. Oft stand ich im Konsum hinter ihr und bewunderte ihren knackigen Hintern. Grauslich nur, dass ich so um die 15 Zentimeter kleiner war als Frau Loberstedt, so kam zu dem meiner Ansicht nach beträchtlichen Altersunterschied noch der nicht unbeträchtliche Größenunterschied: „Also ziemlich trübe Aussichten für mich!“ Frau Loberstedt, Ende Zwanzig und einen halben Kopf größer als ihr Mann, der wie eine kleine graue Feldmaus neben ihr wirkte, hatte ein hübsches Gesicht wie eine unerreichbare Schönheit aus der Illustrierten, einen sanften ruhigen aufrechten Gang und trug ihre beeindruckenden Brüste in massiven Büstenhaltern der damaligen Zeit. Mit ihren kirschroten Lippen, engen Pullis und dunklen großen Augen war ihre Erscheinung in einer Sechzehntausend-Seelen-Stadt einfach nicht zu übersehen, somit bemerkbar für alle, die so etwas dankbar oder neidisch bemerken mussten. Loberstedt war stolz auf seinen Fang und brauchte eine imaginäre Fliegenklatsche, um die nicht imaginären Schmeißfliegen in Form ernsthafterer Verehrer seiner Frau abzuwehren. Meine Phantasien wurden noch mehr angeregt, als ich mal meinen Vater Freitagabend in der „Schönen Aussicht“ abholen sollte, weil das Abendbrot auf den Tisch stand, und Vater nicht den Weg von alleine nach Hause fand. Das Fenster des kleinen Siedlungshauses, aus dem manchmal Kissen und Bettwäsche zum Auslüften hingen, war offen und laut vernehmlich hörte ich aus diesem Zimmer Frau Loberstedts Gejapse: „Ach, Rü, Rü, Rüüüüüdiger, ach, ach aaaaaaaaach!“ Natürlich blieb ich stehen und ließ meinen Vater derweil noch ein Bier schlucken. In diese erstmals gehörten Laute mischten sich unversehens meine Vorstellungen: „Ach, Ge, Ge, Gééééézaaaa, ach, ach, aaaaaaaaach!“ Da stand ich nun, juckte mir durch die Hosentasche zwischen den Beinen herum und hatte wahrscheinlich damit homonschubmäßig gesehen, meinen Schamhaarwuchs um 14 Tage vorverlegt. Als ich endlich mit meinem Vater im Schlepptau aus der „Schönen Aussicht“ nach Hause lief, war das Fenster von Loberstedts Haus immer noch offen und aus dem Zimmer, wo immer die Kopfkissen im Fensterbrett lagen, hörte mein Vater und ich nun abwechslungsweise mal Herrn Loberstedt röhren. Schnell zerrte mich mein Vater trotz seiner Bierseligkeit weiter. „Passa ja auf, dass die Frau, die du dir später einmal aussuchst, nicht zu hübsch ist!“ sagte Vater. „Das bringt nur Unglück“, fügte er hinzu. „Mutti ist doch auch hübsch“ erwiderte ich. „Ja, natürlich, aber das ist was anderes“, äußerte sich mein Vater abschließend. Als ich abends gegen Elf Uhr in mein Bett stieg, wollte ich vorm Einschlafen eigentlich noch etwas schmökern, musste jedoch über das Gespräch mit meinem Vater nachdenken, dachte aber dann nicht an meine hübsche Mutter, sondern wieder an Frau Loberstedt. Am darauffolgenden Sonntag fragte mich Pfarrer Eisenmann in der Beichte, ob ich unzüchtigen Gedanken in der vergangenen Woche gefrönt hätte. Ich antwortete nicht wahrheitsgemäß mit „nein!“ und verhinderte damit das Abbeten von zehn „Ave Maria voll der Gnaden, Bitte für uns…“. Diese Gedanken, damals erstmals in mir hochgekommen, verstand ich entgegen der Auffassung der katholischen Kirche nicht als unzüchtig und schwenkte voller Andacht und keusch  als Ministrant den Weihrauchbehälter, um gleichzeitig genauso andächtig aber unkeusch  an Frau Loberstedt zu denken. Frau Loberstedt war für mich  der liebe Gott und die heilige Jungfrau in einer Person geworden und meine lautlosen Stoßgebete sendete ich nicht zu dem weißhaarigen älteren Herrn neben den Engeln an der Kirchturmdecke der Andreaskirche und der pseudobarock gipsernen Maria auf einem Nebenaltar. „Ach, Ge, Ge, Géééza, ach, ach, ach, aaaaaaaaach.“ Wenige Wochen danach war Frau Loberstedt aus meiner Gegend weg gezogen zu einem anderen Mann und damit meinen sinnlichen Blicken fast vollständig entzogen. Zwei, drei Jahre später hatte Herr Loberstedt eine neue Frau. Diese war klein, nicht attraktiv, unbedeutend und in keinster Weise mit der wahrnehmbaren Schönheit seiner ersten Frau zu vergleichen. Dazu kam noch eine klitzekleine Behinderung, ein Bein etwas kürzer als das andere. Das erschien mir damals äußerst rätselhaft und nicht minder geheimnisvoll. Wie geht so etwas zusammen und warum? Heute freilich, weis ich es. Die zweite Frau vom Loberstedt hatte Geld, viel Geld und lies sich fein fesseln!

© 2012 Richard Hebstreit

Dieser Beitrag gehört zum Guide „BERLINER SOUTERRAINS“    

Mein Beitrag zu SHIBARIBar – Ich bin rhebs – auf Qype

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