Qype: Antiquariat Kafkaesk in Berlin


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Der Spezialist!

Alte Bücher können manchmal das Leben verändern. Wie dass passieren kann, erzählt dieser Teil einer kleinen Kurzgeschichte (Der Jäger und die tote Frau neben dem Nachttisch):
„Um die Mitte der 70er Jahre war R. Antiquitätenjäger. Also nicht Antiquitätenbesorger im Sinne eines Antquitätensammlers, der sich am Horten und Besitz der alten Dinge erfreut. Er hatte Antiquitäten gejagt zum einem aus pekuniärem Interesse aber noch wichtiger war die Jagd ansich. Nicht das Ziel, der Besitz war interessant, sondern der Weg. Wie man so schön sagt „Der Weg ist das Ziel“
Begonnen hätte alles mit einer leeren Familienkasse kurz vor einem Urlaub. Es gab keine Möglichkeit mehr diese Kasse kurzfristig aufzufüllen und so ist R. durch sein altes geerbtes Haus geschlichen, um zu durchsuchen, was man für diesen Zweck kurzfristig versilbern könnte. Die alten Dinge, welche irgendwo sinnvoll oder sinnlos herumstanden oder herumhingen, wurden erstmals unter dem Blickwinkel der sofortigen Verwertbarkeit betrachtet. Bisher fast unerkannt und als Funktion oder selbstverständliche Dekoration wahrgenommen, wanderten die Dinge in einen Beurteilungszusammenhang von denen er noch absolut keine Ahnung hatte.
Irgendwie war es ihm vom Allgemeinwissen her schon klar, dass es alte Dinge gab, welche einen geldwerten kulturellem „Wert“ an sich haben. Es war aber schon ein Unterschied, ob man 30, 300 oder 3000 Mark erzielen konnte. Die Möbel lies er erst einmal aus der Betrachtung heraus, da er schon ahnte, dass ein entbehrliches Möbelstück nicht kurzfristig zu verwerten war. Es musste etwas kleineres handlicheres sein.
Irgendwann stand  R.  dann im Treppenhaus vor einem vierzig mal sechzig Zentimeter großem Gemälde, welches in einem relativ prachtvollem Goldstuckrahmen gerahmt war. Das Motiv, zwei Pferde, welche auf einer sommerlichen Weide herumstanden, stammte aus dem Besitz seines Urgroßvaters, der ebenso wie sein Grossvater Pferdenarr war. Sein Großvater erzählte, das der vermögender Urgrossvater das Bild in Hamburg um die Jahrhundertwende kaufte. Die Pferde wären Araber, das könne man an den kleinen Pferdeköpfen und dem durchhängendem Rücken erkennen.

A Verboekhoven

Das Bild war in der unteren rechten Ecke mit einem kleinem schwungvollem Schriftzug und Datum signiert. A.Verboekhoven, 1889. Mit Kenntnis dieser Signatur wanderte R. in die nächste Bibliothek und durchstöberte die vorrätigen Künstlerlexikas. In einem fulminanten mehrbändigen Werk wurde er fündig. Im Künstlerlexikon Thieme Becker war über viele Zeilen beschrieben, dass A.Verboekhoven als akademischer Maler um die Jahrhundertwende in Holland als ziemlich bekannter und erfolgreicher Pferdemaler wirkte. Die anwesende Biblothekarin verdeutlichte dann noch R., wer im Thieme/Becker steht, der muss was wert sein – „sonst würde er nicht im Thieme Becker stehen!“.
Am gleichen Tag setzte R. in eine regionale Tageszeitung ein Inserat “ Verkaufe an Liebhaber: Ölgemälde „Zwei bildschöne Araber auf Sommerwiese“ gemalt von dem bekannten holländischem Maler A.Verboekhoven, Thieme/Becker, Seite soundso, Telefonnummer., Preis 4500 Mark“. Nach einer Woche befanden sich kurz vor dem Urlaub 4500 Mark in der Familienkasse und so motiviert wurde R.  nach dem Urlaub Antiquitätenjäger speziell auf dem Gebiet seltener Gemälde. Er fand die Jagd spannend. Spannend war auch das Ergebnis dieser Jagd. Bargeld.“
Im Zusammenhang dieser Erkenntnisse musste Thieme/Becker besorgt werden. Das mehrbändige Werk gab es nicht beim Büchertrödler um die Ecke, das Werk gab es in einem Antiquariat für Spezialisten!
Bei Michael Nowakowski im Antiquariat Kafkaesk gibt es selbstredend auch den Thieme/Becker.
(Thieme, Ulrich / Becker, Felix / Vollmer, Hans (Hg.) Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart (37 Bände in 19 Teilbänden); Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts (6 Bände)).

„Für jeden, der mit Kunstgeschichte zu tun hat, ist der Thieme/Becker‘ ein unverzichtbares Nachschlagewerk. In keiner ernstzunehmenden Bibliothek fehlt dieses Lexikon der Superlative: Mit mehr als einer Viertelmillion Künstlerviten auf gut 25.000 Seiten in 43 Bänden ist das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart‘ – so der korrekte Titel – auch international noch immer das bedeutendste biografische Nachschlagewerk zur Kunstgeschichte.“ 
 (Hamburger Abendblatt) 

Auf Laufpublikum wie viele andere Antiquariate in Berlin ist Michael Nowakowski in der Naumannstraße weniger angewiesen. Er hat Stammkunden, liefert Bücher zu bekannten Versteigerungen und in die Datenbank des ZVAB ein. „Das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) ist ein Internetmarktplatz für überwiegend deutschsprachige antiquarische Bücher und gehört seit 2011 über AbeBooks zu Amazon. Es gilt in den deutschsprachigen Ländern als Marktführer für seinen Bereich.“
Her Nowakowski ist am Ankauf einzelner Werke, ganzer Sammlungen oder Bibliotheken interessiert. Kostenlose Besichtigung und Schätzung führt er auch vor Ort durch. Sein Antiquariat ist spezialisiert auf die „schönen, seltenen oder historisch wertvollen Büchern“ für Bibliophilie Liebhaber.
Carl Spitzweg: Der Bücherwurm
(cc) Erwin Jurschitza, Wikipedia

© 2012 Richard Hebstreit

Dieser Beitrag gehört zum Guide „BERLINER SOUTERRAINS“    

Mein Beitrag zu Antiquariat Kafkaesk – Ich bin rhebs – auf Qype

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