Qype: Stadtklause in Berlin


BerlinEssen & TrinkenRestaurantDeutsch

Bruno war hier!
Es gibt da so Regentage in Berlin, wo der Abend manchmal den Tag rettet. So neulich in den „7 Stufen“. Rechts neben mir sitzen zwei hübsche Frauen an der Bar. Eine ist  aus  der Schweiz kurz mal nach Berlin zu einem  „Event“ gekommen – seitdem lebt sie seit einigen Jahren in Berlin. „Was machst Du hier in dieser armen Stadt? In der Schweiz wird doch das Geld verdient!“ sag ich! Es ist kurz vor einundzwanzig Uhr. Sie meint „Berlin – das isses doch! Die Schweiz kann ihr mal kruziweis den Buckeli runter rurschen“ 
Links neben mir sitzt ein mittelgroß blonder berlinisch parlierender Berliner Fahrradreparateur, der war noch nie in der Schweiz und hat an der kurzdunkelhaarigen lebhaften Schweizerin brennendes Interesse. Da sitze ich aber dazwischen. Ich sage den beiden, wenn sie mir einen anderen Souterrain verraten können, wo ich  noch hin gehen kann, und da was zu Essen bekomme, hau ich ab.
„Geh mal in die „Stadtklause“, is 15 Minuten zu Fuß von hier!“. meint die Schweizerin, „bestell die Suppe, die ist immer da, auch kurz vor Feierabend – ich kenne die!  „OK“ sage ich, „wenn ihr mich mal zur Hochzeit einladet, geh ich jetzt wirklich stiften!“

Stadtklause

Nach 15 Minuten bin ich da, vor dem Eingang der Stadtklause. Eigentlich wohn ich ja seit Zehn Jahren fast gegenüber am Askanischem Platz. Ich war noch nie in der Stadtklause, von der ich bisher dachte, es wäre eine janz miese Kaschemme, wo ich wirklich nichts verloren hätte. Kulturlos, mit einem gnatzigem Wirt und schlechter Luft und stinkendem Klosett? 

Stadtklause

Wenn mich mal jemand gefragt hat, „was ist kulturell interessant am Askanischem Platz?“, konnte ich bisher immer nur antworten, „Zwei verborgene Hobby-Schatzkistchen – von „Geocaches.com“, eins vor, eins hinter dem Tempodrom“  und die Guardini Galerie.
Doch man kann sich manchmal schwer täuschen in Berlin – Selber nachsehen ist oft besser!

Dann war ich drin in der Stadtklause und komme aus dem Staunen nicht mehr hinaus. „Heute stehen von den knapp 110 Gebäuden des Jahres 1840 noch acht“ steht in einem Zeitungsausschnitt schräg hinter mir an der Wand, als ich leckere Kartoffelsuppe löffle. Die „Stadtklause“, früher zur Gründerzeit „Askania-Klause“ genannt, lag um 1845  gebaut eigentlich vor Berlin in „Brandenburg“ vor der „Akzisemauer“, die man auch heute noch als unbedeutendes Denkmal in der Stresemannstraße in Richtung Bundesvorstand der SPD efeubewachsen findet.

Stadtklause

Die „Stadtklause“, das sind Biedermeier Proportionen. Die Leute waren kleiner damals und entsprechend waren die Stuben, Kneipen, Keller, enger als heute. Wenn das, wie hier  vom Kneiper raffiniert bestuhlt und „bebankt“ wird, wird es zwangsläufig gemütlich! Im Keller ist eine Ausstellung und in der 1. Etage auch. Es gibt was für´s Auge, es gibt was kulturelles für den Kopp, es gibt was für den Magen! 

Und für die Seele gibt es auch was, nehme ich an meinem Tisch wahr. Eine Frau gebürtig aus Portugal und momentan noch in Hannover befindlich, die sich in Berlin eine Wohnung für ihre alten Tage kürzlich besorgt hat, lernt drei Europäer kennen, die ebenfalls in Berlin schon einige Zeit leben. Eine Italienerin zwei Spanierinnen und einen netten Berliner, der die Frauen in die „Stadtklause“ begleitet.

Bruno Schlenstein
Das Flair der „Stadtklause“ muss wohl auch mal derzeit Bruno Schlenstein angezogen haben, einen Berliner Straßenkünstler, der von medizinischen „Experten“ des Dritten Reiches als geistig behindert deklariert wurde.

Bruno war ein Ausnahmekünstler, der als Straßenmusikant in WestBerlin allseits bekannt war und auch als als Schauspieler ziemliche Bekannheit erlangte. In Werner Herzogs Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“ und in dem Film „Stroszek“.

Schluss-Szene aus Werner Herzogs Stroszek:

Den Rest erzählen hier mal die anderen Qyper! Ich kann ihnen zustimmen!

© 2012 Richard Hebstreit

Dieser Beitrag gehört zum Guide „BERLINER SOUTERRAINS“     

Mein Beitrag zu Stadtklause – Ich bin rhebs – auf Qype

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