Qype: ATELIER-HANDPRESSE in Berlin


BerlinDienstleistungenAllg. DienstleistungenDruckerei & Kopien

Winkelhaken…
Ich finde keine Klingel in der Neuenburger Straße 17, um auf den Hof zu gelangen. Dann merke ich, das schwere Haustor ist nur angelehnt. Ein Dichter der „ATELIER – HANDPRESSE“, Herr Tomczak, der seine Bücher auch schon mal selber gesetzt und gedruckt hat,  sitzt neben dem Souteraineingang Wache haltend und schaut freundlich. „Hugo Hoffmann, der Drucker ist im Urlaub und kommt in zwei Wochen wieder!“ Das ich mich für Souterrains interessiere, findet er interessant. „Eine komplette Druckerei vor dem Schrottplatz gerettet“, sicher auch, als ich das sehr wichtigtuerisch erwähne. (Ich hoffe, ich muss hier nicht noch mal ran!“)

ATELIER _ HANDPRESSE

Im Souterrain ist eine Druckerei, für Grafiker/Künstler, die noch den Tiefdruck beherrschen und huldigen, betrieben von Hugo Hoffmann. Ein klitzekleinwenig Ahnung habe ich vom Gewerbe der  „ANALOG“- Drucker noch. Was hier aber in der „ATELIER – HANDPRESSE“ so künstlerisch im bibliophilen Bereich abläuft und verlegt wird, habe ich absolut NULL Ahnung. Mühlhaupt Kurt, hab ich mal irgendwo gehört, bei „Artur Märchen“ denke ich, das hat was mit Märchen zu tun und schwafle von meinen Thüringer Heimatdichtern , wie Ludwig Wucke und Karl Bechstein. Bei einer Nachrecherche im Internet finde ich dann kreuzbook.de, da ist da vieles dazu ganz gut dokumentiert. Ich komme aus Thüringen und bin ein ZEHNJAHRESKREUZBERGER – Das heißt ich bin hier neu!

Farbdrucke

„Oh jemené!“ denke ich dabei, weil ich eigentlich zu den naturgemäßen Verhinderern der Handdrucker gehörte, wegen meiner Dozententätigkeit für die Druckvorstufe, wo so Sachen wie Hand-Akzidenzdruck, Handhebelpressen, Druckstöcke, Winkelhaken, Bleisatz, Walzenpressen aller Arten einfach mittelalterliches Teufelszeug war. Ich war ein Wegbereiter des VIERFarben Offsetdruck ohne analogem FOTOSATZ, des Digitaldruck und aller möglichen anderer maschineller Druckverfahren. Selbst vollautomatisierten Tampondruck fand ich cooler! Ziffernblätter für Uhren wurden mal früher und heute so bedruckt.

Druckmaschine

Lustig hier zu der Story, paar Tage vorher war ich zu den Galerierundgängen der UDK, wo ich immer gern unten in der ersten Etage beim Grundlagenstudium bei den „Druckern“ nachsehe, was derzeit so läuft. Kurz gesagt, es ist bissle müde läuft da was dort. Die Jungen Leute, die da studieren interessieren sich sehr wenig für alte künstlerische Drucktechniken  im Zusammenhang mit der eigenen schöpferischen/künstlerischer Arbeit. Dadür war die halbe HDK voll gepflastert mit Multimedia Trallala. „Wo druckst du?“ War da mal eine Frage.  Die Antwort: „In Polen – Poster Format DIN A0  für 7 Euro eine Grafik!“ 

Da kann man dann sowas drucken lassen, wenn man 300 dpi Auflösung beherrscht:

HDK Studentenarbeit
Bei Hugo Hoffmann´s „ATELIER – HANDPRESSE“ habe ich nicht mal den Schatten eines PC`S gesehen. Dafür roch es fein nach Druckerfarben, nach Öl für die Druckmaschinen, nach handgeschöpftem Papier. Es roch überhaupt nach Druckkunst in allen möglichen Varianten. Kupferstich, Holzstich, sogar eine Kunststoffplatte entdeckte ich, die ähnlich wie eine Kupferplatte graviert war. Ein Plakat über Senefelder hing an der Wand – eventuell gibt es hier auch noch Lithographie – Steindruck? Neben den Grafiken, die dort an Wäscheleinen mit Wäscheklammern hängen, ist  die „ATELIER – HANDPRESSE“ ein seltenes Kulturgut und müsste eigentlich „Fördermittel“ satt bekommen. Egal ob vom Senat, vom Bund oder aus Brüssel. Für mich war der Besuch dort eine Erleuchtung und da gehe ich sicher wieder hin!

Poster bei Hugo Hoffmann

Es ist ein Gewerbe, was sich in den heutigen Zeiten kaum noch rechnet. Zu Hause, krämer ich in meinen Papieren…..irgendwo sind noch Drucke, die ich mal gesammelt habe. Sogar „Caspar David Friedrich“ finde ich eben – gut, der Lichtdruck ist fast sowas wie eine kleine Fälschung, als das gedruckt wurde war Caspar David Friedrich schon 20 Jahre tot. 
Aber, ein Holzschnitt, für eine Hochzeit ist echt:
Hochzeit Holzschnitt
M. Marks ´82

Ein wenig Ehrfurcht hab ich vor dieser Art Kunst, wo es viele viele Stunden braucht, bis man ein fertiges Blatt dann staunend in den Händen hält. Hier mit meinen digitalen Möglichkeiten geht das RatzButz. Minuten brauch ich, um Bild und Text zusammen zu kleistern. Das ist für mich OK! 
Die „ATELIER – HANDPRESSE“ ist mehr was zum Staunen einer völlig anderen Art! Sollte man hingehen, anschauen, bibliophiles besorgen!

© 2012 Richard Hebstreit

Dieser Beitrag gehört zum Guide „BERLINER SOUTERRAINS“      

Mein Beitrag zu ATELIER-HANDPRESSE – Ich bin rhebs – auf Qype

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s