Qype: luckau10sebastian87 in Berlin


BerlinEssen & TrinkenBars & KneipenKneipen

Airan, Kaffee, Tee und Billiard…und die Nationale Volksarmee!

 
Um die drei Jahre gibt es dieses Café. Ein wenig verdattert war man, als ich die Treppe in den Souterrain mühselig krabbelte und einige türkisch sprechende  Männer um einen Billiardtisch versammelt fand. Man schwatzte dort und trank Tee aus kleinen bauchigen Gläsern.

Es war nicht einfach, mein Anliegen unterzubringen, dass ich mich für Berliner Souterrains interessiere. Mit Hilfe des Handys gelang  das aber, als ich meine Pressefotos vom Yadegar Asisi Panorama zeigte und erwähnte, dass praktisch mit dem Gebäude Sebastianstraße 87 das Asisi Panorama auf  seiner  linken Seite beginnt, wo ein kleiner Junge aus einem Kaugummiautomaten Kaugummi ziehen will.

Sebastianstrae  87

Da dämmerte es es ihnen. Einer meinte, gestern wäre schon jemand von der Zeitung da gewesen und hätte draußen die Straße fotografiert. Rein, getraut in ihr Café hat er sich aber nicht. Inzwischen kommt mein Ayran – schön gekühlt und schon geschüttelt und der Kaffee. Zwei Euro berappe ich später für beides.  Fast überall in Berlin bekommt man bei Türkischen Bistrogastronomen Ayran. Kaffee lohnt selten, der Tee ist fast überall vorzüglich!

Hinter mir fängt man an Billard zu spielen. Alle sind nett, aber ich denke, man will wohl hier lieber unter sich bleiben. ´Ne Männerdomaine halt. Ich verschwinde und mache noch ein paar Fotos, ehe ich das Café verlasse.

Ausgang

Später, viel später, zu Hause bekomme ich beim recherchieren mit, das mal das „EVENT-Café“
art.gerechet hier wohl residiert hat.
art.gerechet  ist jetzt auf dem Prenzlauer Berg aktiv.

Mich interessiert diese Ecke in Berlin aus ganz anderen Gründen neben dem „Souterrain Thema“. Mich interessiert das Thema „Berliner Mauer“ und das Thema „Kalter Krieg“!

Ein Beispiel dazu von mir über die Zeit 1967:

„Ein Kamerad meiner Einheit aus dem Grenzregiment 35 aus Rummelsburg, der Leipziger Gefreite Canis meldet  eines Tages vom vergammelten und verpissten stinkendem Postenturm neben einer Brandmauer an der Dresdener Straße per Grenznetztelefon: „Seit 10 Minuten beobachtet uns Staff-Sergant G. Miller und First Ltd. O. Piwell aus einem grünen offenem 65er Gelände-Buick gegenüber der Dresdener Straße. G. Miller und First Ltd. O. Piwell der Einheit Nr. soundso sind bewaffnet mit einem schweren Blablabla MG auf  Jeep-Lafette, haben 400 Schuß MG-Munition in Kiste Blabla Nummer Blablabla, Infanteriegewehr Nummer soundso und reaktives rückstoßfreies leichtes Geschütz Typ und Nummer soundso. Ihr Funkgerät sendet auf 147,86 Mhz!“. Auf Anweisung wiederholt er das noch ein paar mal, damit jeder Trottel im Grenzkommando 1. Grenzbrigade Berlin diese Meldung auch mitschreiben kann.

Ergebnis dieser Meldung: Die Grenztruppenführung der 1. Grenzbrigade in Treptow löst sofort „Gefechtsalarm“ aus und alles, was PS und Armeebeine hat, wird im Bereich DDR Grenze/Berlin Kreuzberg aufgefahren. Straßen werden gesperrt. Canis wird peinlich verhört,  woher er das alles weis und mußte es fast beweisen, daß er die NVA-Erkennungsbroschüre für Nato-Dienstgrade und Uniformen aus purem Juchs auswendig kennt und die Funkfrequenz täglich zu sehen ist, da die Amerikaner auf einem fett gedrucktem Zettel die Frequenz an das Funkgerät auf dem Jeep pinnen. „Mit dem Fernglas kann man das ja fein ablesen“, meint er. Auch die Namen, welche nun mal auf der Feldbluse der Amerikaner aufgenäht sind.  Einige Tage später meldet Canis wieder so´n Kram und bemerkt…..daß die Frequenzzettel nicht mehr am Funkgerät hängen.

…Dazu erzählt Canis jedem, der es hören will, dass es bei der NVA-Grenze eine undichte Stelle geben müsste, zumal die Amerikaner ihm vom Jeep aus neuerdings mit dem OK-Daumen grüßen. Da war Canis erst mal eine Weile vom Grenzdienst befreit….Er wußte einfach zu viel.

Eigentlich war das eine „Schweikiade“. Ein Soldat macht Dienst nach Vorschrift und bringt den ganzen Gammelverein „Armee“ mit seinem pflichtgemäßen Handeln total durcheinander.  Nur, „Den dritten Weltkrieg hätte Canis auslösen können“!

GR 35

Das alles geschah gegenüber der Sebastianstraße und der Luckauer Straße in Berlin zur Zeit des Kalten Krieges 1966/1967. Olle Canis lies sich nie fotografieren, der ist hier nicht dabei und bezieht eventuell  eine feine Rente vom CIA, vom MOSSAD oder dem KGB?

Ich denke, es war von Canis organisierte Chuzpe! Ein schönes Beispiel für Chuzpe ist die Geschichte von dem Mann, der Vater und Mutter erschlägt und dann den Richter um mildernde Umstände bittet, da er ja nun Vollwaise sei.

Egal wie es war, „luckau10sebastian87“ ist eine spannende Ecke in Berlin!

© 2012 Richard Hebstreit

Dieser Beitrag gehört zum Guide „BERLINER SOUTERRAINS“

Mein Beitrag zu luckau10sebastian87 – Ich bin rhebs – auf Qype

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s