Qype: Koko Lorès in Berlin


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Kein Kokolores aber Koko Lorés!
Kokolores sind die mit ihrer Brother-Strickmaschine perfekt gestrickten Stricksachen von Claudia Galke nicht. Übersetzt heißt Kokolores eigentlich Unsinn. Weitere Synonyme sind: Aberwitz, Firlefanz,  Humbug, Kladderadatsch,  Larifari, Mumpitz, Nonsens, Quatsch. 
Claudia Galke macht keinen Quatsch, sondern solides Handwerk – innovatives Strickdesign. Durch Zufall kam die gelernte Einzelhandelskauffrau zum Flachbettstricken. Über Änderungsnäharbeiten, Zusammennäharbeiten von gestrickten Teilen einer Berliner Strickerin. Als diese das Handtuch warf, legte Claudia Galke nach einer kurzen Arbeitslosigkeit mit einem mutigem Sprung in die Selbständigkeit los. Vorher holte die Strick-Autodidaktin bei zwei Berliner Designerinnen Input in Sachen Form, Farbe, Funktion, Materialien, Proportionsänderungen- und Anpassungen, Schnittdesign, Stricktechnik. Die Garne, (mehrheitlich Bouclee, Mohair)  bekommt sie  direkt aus Italien und von Berliner Lieferanten.

Koko Lorés Design

Lachend sagt sie, sie kennt nicht mal alle Einstellungen der Brother-Strickmaschine, die in einer kleinen Nische ihres Soterrainverkaufsraum steht. Seit 1863 gibt es Flachbettstrickmaschinen, erfunden von dem Amerikaner William Lamb. Ich hatte  mal einen kleinen Fimmel  mit Flachstrickmaschen – habe jahrelang mit meiner Frau das Design (ihrer Schwarzarbeitsproduktion) zu DDR Zeiten gestaltet und auch oft mit gestrickt. Die schnörkeligen Löcher und Rüschen konnte ich ihr manchmal nicht ausreden mit der Veritas  Textima 5443  DDR-Strickmaschine in die Stricksachen zu würgen. Die Schnitte habe ich in der Deutschen Bücherei in Leipzig fotokopiert, dann mit dem Overhadprojektor an das Zeichenbrett geworfen und nachgezeichnet. 
Claudia Galke hat ihre Schnitte selbst entwickelt. Sie arbeitet noch ohne EDV-Stricktechnik  mit halbtransparenten abrollbaren selbst gezeichneten Schnittvorlagen. Ihr Kunden können sich einen Schnitt aussuchen, innerhalb 3-4 Tagen hat sie ein Kleid, einen Rock in jeder gewünschten Farbe gestrickt und zusammengenäht. Ich erlebe eine Verkaufsprozedur mit einer Stammkundin aus Westdeutschland live mit, die mindestens einmal im Jahr bei ihr aufschlägt.

Koko Lors Stammkundin

Eine große dunkelgrüne superleichte Strickjacke nimmt sie sofort mit, eine weitere Jacke, die nicht in ihrer Ärmellänge vorhanden ist, bestellt sie in einer anderen Farbe und mit fünf Zentimeter längeren Ärmeln. 

Als die Kundin weg war, äußere ich vorsichtig, das ihre Sachen deutlich zu billig sind. Die grüne superleichte MohairStrickjacke kostet 175 Euro! Ich denke mir, wenn Frau Galke sich Kaschmirgarn direkt wie der Teekampagnen-Professor Valtin den Tee besorgt, könnte sie an ihre Preise locker eine Null hängen. Ihre Qualität und ihre Eigenständigkeit als Modedesignerin und Produzentin gäben das her! Es sind alles Unikate!

Ein Vorteil der Strickmode, die Claudia Galke konzipiert, designt und produziert, ist die Variabilität der Größenkompositionen. Für sie ist es ein Klacks ein Stück zu gestalten mit Oberweite 54 und Hüfte 36. Wenn man weis, wie es geht, werden beim Stricken die Nadeln links und rechts der Strickbahn dazu oder abgeschaltet. Claudia weis wie es geht! So bekommt man besonders für füllige Damen Passformen gestaltet, die die Figur kaschieren und trotzdem umschmeicheln können. Claudia Galke macht da kein Firlefanz, sondern passgenaues Design, selbst bei ausgestellten Röcken.

Mutig ist sie auch mit den verwendeten Farben der Strickgarne für ihre Kreationen. Nicht nur Ton in Ton und erdige Farben, sondern auch mir leuchtenden Rotttönen arbeitet sie. Türkisnuancen benutzt sie in beide Richtungen: Tendenz zu blau – Tendenz zu grün. Solide aber ausbaufähig sind Kooperationen und Synergien ihres kleinen Unternehmens. Im gleichen Souterrain befindet sich das Atelier von Birgitt Darley (Darley Porzellan), was vom Design und vom Kontrast schon mal gut zusammen passt. Frau Darley macht mit ihrem Porzellan vordergründig in weiß und kühl formreduziertes, Nähe der Bauhaustradition. Kokolorés Design ist warmbunt! 
Manchmal erwischt man Claudia Galke Deutschlandweit auf Kunsthandwerkermärkten. Was gibt es noch?  Die Abbildungen ihrer Kleidungsstücke auf der Homepage sind zu klein und  könnten verbesserungswürdiger fotografierrt werden.  Marketing/Werbung ist ausbaufähig. 
© 2013 Richard Hebstreit, www.rhebs.de

Dieser Beitrag gehört zum Guide „BERLINER SOUTERRAINS“      

Mein Beitrag zu Koko Lorès – Ich bin rhebs – auf Qype

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